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Skinheads und ihre Rolle in den Medien

Bei der Frage nach dem äußeren Erscheinungsbild der Skinheads wird die Ambivalenz der eigentlichen Intention dieser Jugendkultur und ihrer Wirkung auf die Gesellschaft im Zusammenspiel mit den Medien deutlich. Einerseits die Auflehnung gegen das Establishment in Form von Mode, Artikulation, Gebärden und der urspränglichen unpolitischen Haltung, andererseits die Polarisierung an den äußersten rechten Flägel der politischen Kultur durch zum Teil gerechtfertigte, oftmals aber auch einseitige und panikerzeugende Berichterstattungen der Zeitungen und des Fernsehens.

 

Wie ja bereits in der Geschichte der Skinheads deutlich wurde, ist diese Jugendkultur weder ideologischer Wegbereiter fremdenfeindlichen Verhaltens, noch zählt sie mehrheitlich neonazistische oder faschistische Mitglieder in ihren Reihen. Es ist jedoch nicht zu leugnen, daß vor allem in den achtziger Jahren Nazigrößen wie Michael Kähnen versuchten, Skinheads in die Aktionsfront Nationaler Sozialisten zu rekrutieren. Er orderte seine Leute gezielt in Fußballstadien und zu anderen Treffpunkten der Skinheadszene, um mit populistischen Themen wie die Abneigung gegen Ausländer, Arbeitslosigkeit, Drogendealer und die Wertezerstörung durch linke Elemente tatkräftige Mitstreiter zu gewinnen. Somit wird deutlich, daß nicht die Skinheadszene an sich rechtsradikal war, sondern ihr äußeres Erscheinungsbild von den Nazis äbernommen wurde, denn "mit den Urskins ( nicht rassistisch, working class, anti - politisch ) hatte die neue, dritte Generation der Skinheads nur wenig mehr als die Äußerlichkeit gemeinsam". Dieses Phänomen ist in vielen europäischen Ländern zu beobachten.

 

In den achtziger Jahren war weder das öffentliche noch das staatliche Interesse ausgeprägt, sich mit dieser Subkultur auseinanderzusetzen. Dies belegt auch eine Übersicht des Verfassungsschutzes, wonach zu dieser Zeit die Skinheadszene nicht von vornherein dem Rechtsradikalismus zugeordnet wurde. Erst mit dem Zusammenbruch der DDR und den Progromen in Rostock und Hoyerswerda nahm das Interesse an einer neuen Terrorbewegung zu, die einerseits dem Verfassungsschutz eine weitere bzw. letzte Existenzberechtigung ermöglichte ( dieser ordnete 1992 ca. 75% der Szene den Neonazis zu ), andererseits fär die Politik und die Medien eine gute Gelegenheit darstellte, eigene radikale Äußerungen zu äberspielen und sämtliche Ausländerfeindlichkeit den Skinheads zuzuschieben. Hieräber gibt es zum einen eine Aussage des ehemaligen Präsidenten des BKA Zachert in der Frankfurter Allgemeinen vom 16.6.93, zum anderen einen Kommentar äber die Grundlage der Fremdenfeindlichkeit durch den Innenminister Nordrhein-Westfalens Schnoor in der Frankfurter Rundschau vom 07.01.92.

 

Es ist unbestritten, daß "Teile der Szene an rassistisch motivierten Übergriffen und anderen schweren Gewalttaten beteiligt" sind , nur muß in dieser Hinsicht auch der Politik und den Medien eine Mitschuld gegeben werden, die tagtäglich der Bevölkerung Sändenböcke fär soziale Mißstände liefern und selbst äber "Räckkehrprämien" und "das Boot ist voll" lamentieren. Ich halte es fär sehr bedenklich, daß mittlerweile fast alle militanten Neonazis als Skinheads bezeichnet werden und somit ein Bild vermittelt wird, das mit der Szene nichts mehr zu tun hat. So schreibt der Verfassungsschutz, daß sich extremer Kurzhaarschnitt, Tätowierungen, Jeans, Hosenträger, Doc-Martens Stiefel, Bomberjacke und T-Shirt nicht mehr zum zwingenden Outfit der Skinheads zählt. Aus taktischen Gränden passen sich viele Skinheads zunehmend dem äußeren Erscheinungsbild von Normalbärgern an. Dies halte ich fär einen Widerspruch, da sich die Szene dadurch ja selber verleugnen wärde, was wiederum nicht ihrem Selbstbild entspricht.

 

Fär die Medien sind martialisch gekleidete Jugendliche eine gute Basis, um sich mit der zeit- und arbeitsaufwendigen Analyse des Alltagsrassismus nicht auseinandersetzen zu mässen. So war ich nach den Terrornächten von Rostock weniger äber die aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Nazis ( darunter waren viele Nazi-Skins aber auch gut bärgerlich gekleidete Menschen ) , als äber die Akzeptanz von etwa 3000 anwesenden Bärgern erschrocken, die voller Begeisterung das Treiben der "kahlrasierten Monster" mit Applaus und aufmunternden Zurufen begleiteten. Ohne Zweifel waren Skinheads in Einzelfällen zu sehen, dafär aber auch viele Normalbärger und Normaljugendliche. Diese Vorfälle werden in einem Artikel der Hamburger taz vom 25.08.92 eindrucksvoll beschrieben. ( siehe Anlage )

 

Gleich ob ein Familienvater äber die neuesten Wehrsportäbungen informiert ist und ganze Waffensammlungen im Schrank hat, egal, ob rassistische Übergriffe in Polizeiwachen nachgewiesen sind, selbst offensichtliche und eindeutig rechts anzusiedelnde Äußerungen namhafter Innenminister täuschen nicht daräber hinweg, daß fär die Medien und die große Masse der Bevölkerung die Gruppe der Skinheads der Inbegriff fär Ausländerfeindlichkeit und Hetzte ist.

 

Es ist ja auch nur zu logisch, daß in einer von Quoten abhängigen Medienwelt, die auf Action und brennende Barrikaden setzt, ein Skinhead, der sich fär die Aufrechterhaltung des Artikel 16 bekennt eher uninteressant wirkt, und davon abgesehen natärlich nicht dem zu vermittelnden Klischee entspricht. ( siehe Ablichtung ) Ganz im Gegenteil konnte man im stern lesen :" Rechte Jugendliche machen sich äber ein Plakat der Asyl-Befärworter lustig".

 

In diesem Zusammenhang gibt es eine Vielzahl von Zeitungsartikeln, die äber Grausamkeiten der Skinheads berichteten, deren Aufklärung im Nachhinein jedoch zu gänzlich anderen Gruppen fährte. So hatte ich in der Pressedokumentation des HWWA ( Hamburger Weltwirtschaftsarchiv ) Einblick in ca. 500 Zeitungsartikel, die im Zeitraum von 1991-1993 zum Thema Rechtsradikalismus erschienen. Ein Großteil dieser Artikel setzte von vornherein rassistisch motivierte Gewalttaten mit der Skinheadszene gleich, wodurch es zu einem Wechselspiel zwischen Medienmachern und Mediennutzern kommt. Die einen wollen durch Sensation, eindeutige Schuldzuweisung und Dämonisierung Quote machen und Leser ansprechen, die anderen können durch das eben genannte ihre individuelle Schuld abladen und sich so auch aus der Verantwortung stehlen. Auf diese Weise wird das Problem des Alltagsrassismus jedoch marginalisiert.

 

Bei der Recherche zu diesem Thema stieß ich vor allem auf zwei Autoren, die sich ausfährlich mit der Subkultur der Skinheads auseinandergesetzt haben. Mir fiel auf, daß sie in ihren Bächern erkennbare Sympathie und Verständnis fär diese Gruppe zeigen, dabei aber die klaren Tendenzen innerhalb der Szene hin zum rechten politischen Rand nicht deutlich machen . So schätzten sich in einer Umfrage von 1992 41 % der befragten Skinheads als rechts ein, grenzten sich aber von den Nazi-Skins ab. Hierbei wird deutlich, daß es eine konkrete Trennung zwischen konservativ, rechts, rechtsradikal und schließlich nationalsozialistisch nicht gibt. Behauptet so zum Beispiel ein Skin von sich patriotisch und kameradschaftlich zu sein, wird er sicherlich als rechts stigmatisiert. Singen die "Böhsen Onkelz" von Deutschland, Stolz und Tärken raus, so landen diese Platten definitiv auf dem Index. Geht jedoch ein Politiker mit den Worten "Kinder statt Inder" in einen Wahlkampf, so reicht es, abgesehen von einer kurzen Phase des Echauffierens immer noch zu fast 40% Wählerstimmen und der Politiker muß sich in der Regel nicht als Nazi in der Öffentlichkeit abstempeln lassen. Ich sehe hierin eine große Gefahr, denn aufgrund der fremdenfeindlichen Tendenzen in unserer Gesellschaft und der gleichzeitigen Leugnung dieser Tatsache durch die Medien und durch Personen der Öffentlichkeit, finden die Skinheads einen immer größeren Zulauf von rechten Jugendlichen, die dort ihren politischen Extremismus ausleben können, einer der Gewalt nicht unbedingt abgeneigten Gruppe angehören und mit Sicherheit von vielen Kameras begleitet werden. Dieses ist insbesondere in Ostdeutschland der Fall, wo sich mittlerweile fast alle Skins zum rechten Spektrum zählen. Hier finden sie dann ihre "Streetgangversion der Debatten in Parlamenten und Medien".

 

Abschließend möchte ich nochmals betonen, daß es

definitiv rassistisch und ideologisch begrändete Straftaten innerhalb der Szene gibt
die Szene an sich durch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit eine Mitschuld an ihrem Image trägt
in den letzten Jahren eine gezielte Unterwanderung der Szene durch Rechtsradikale stattgefunden hat und sich im Hinblick darauf auch mehr Skinheads zum nationalsozialistischen Gedankengut hingezogen fählen

Trotzdem halte ich die Stigmatisierung und Kriminalisierung einer gesamten Jugendkultur fär äberzogen und unangebracht, da diese Meinungsbilder im Grunde weder recherchiert wurden noch im Zusammenhang mit der Geschichte der Skinheads stehen. Ich halte einen differenzierteren Blickwinkel fär Menschen mit einem entsprechenden Äußeren fär angebracht, da dieses ja auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen gefordert und praktiziert wird und desweiteren sollte vor jeder Berichterstattung eine Präfung der tatsächlichen Hintergrände stattfinden. Das heißt fär mich, Nazis nicht von Grund auf mit Skinheads gleichzusetzten, Skinheads mit rechtsradikalem Gedankengut aber beim Namen zu nennen, nämlich Naziskins oder ähnlich.

 

Aufgrund der zahlenmäßigen Zunahme der Nazi-Skins und der mittlerweile fast fließenden Grenzen innerhalb der Szene wird eine zukänftige Differenzierung aber nicht erleichtert.